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<title>Subsistenz</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Subsistenz</span></h1>
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<p><b>Subsistenz</b> (von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a></span> <span lang="la-Latn" style="font-style:italic">subsistentia</span> „Bestand“: „durch sich selbst, Selbständigkeit“) ist ein <a href="Philosophie" title="Philosophie">philosophischer</a> Begriff für das Prinzip der <a href="Selbsterhaltung" title="Selbsterhaltung">Selbsterhaltung</a>, die vor allem auf der <a href="Arbeit_(Philosophie)" title="Arbeit (Philosophie)">Auseinandersetzung</a> des Menschen mit der Umwelt zur Sicherung des Lebensunterhaltes und zur Befriedigung der <a href="Grundbed%C3%BCrfnis" title="Grundbedürfnis">Grundbedürfnisse</a> beruht. Subsistenz ist alles, was materiell und sozial zum alltäglichen Überleben benötigt wird: Nahrung, Kleidung, eine Behausung sowie Fürsorge und Geselligkeit.<sup id="cite_ref-Bennholdt-Thomsen_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Bennholdt-Thomsen-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <b>Existenzgrundlage</b> und <b>Lebensunterhalt</b> sind bedeutungsgleiche Bezeichnungen. Die Art und Weise dieses Bestrebens wird <i>Subsistenzstrategie</i> genannt.<sup id="cite_ref-Hirschberg_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hirschberg-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Daniel_Dahm" title="Daniel Dahm">Daniel Dahm</a> in <i>Zukunftsfähige Lebensstile – Städtische Subsistenz für mehr Lebensqualität</i>: „Subsistenz ist die Selbstversorgung mit materiellen wie immateriellen Gütern – also Agrarprodukten, handwerklichen Erzeugnissen, Bauwerken, Kunstwerken ebenso wie Dienstleistungen – im familiären wie im bürgerschaftlichen, gemeinschaftlichen Kontext, von Mütter- und Väterarbeit über Hausarbeit bis zu freiwilligem, ehrenamtlichen Engagement. Sie ist am eigenen oder gemeinschaftlichen Bedarf orientiert, und produziert aus eigenem Antrieb zur Deckung individueller und gemeinschaftlicher Güterwünsche, nicht fremdbestimmt für Geld. Ihre Kraft bezieht sie aus der freiwilligen, eigenmotivierten Übernahme von kulturell etablierter Verantwortung für die soziale Mitwelt wie auch für sich und der direkt eigenen sozialfamiliären Einbettung selbst. Ihre produktiven Grundlagen liegen in Kommunikation, Partizipation und Kooperation auf der Basis gegenseitiger Verantwortlichkeit, und sie reproduziert diese Ressourcen ständig selber neu. So bildet sie die Bürgergesellschaft und nährt sich aus ihr.“<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im <a href="Englische_Sprache#Geografische_Verbreitung" title="Englische Sprache">angelsächsischen Sprachraum</a> bezeichnet <i>subsistence</i> (in Verbindung mit <i>economy</i> oder <i>agriculture</i>) nur die <a href="Subsistenzwirtschaft" title="Subsistenzwirtschaft">Bedarfswirtschaft</a>, während <i>livelihood</i> für den Lebensunterhalt steht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wortherkunft">Wortherkunft</h2></div>
<p>Das deutsche Wort „Subsistenz“ geht auf das <a href="Latein" title="Latein">lateinische</a> <a href="Verb" title="Verb">Verb</a> <i>subsistere</i> zurück, das in den meisten Wörterbüchern mit „stocken, verweilen, standhalten, stillstehen“ übersetzt wird. Es stammt ab von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">altgriechisch</a></span> <span lang="grc-Grek" class="Grek" style="font-style:normal"><i>hypistemi</i></span> oder <i>hypo-histemi</i> „unterstellen, drunterlegen, zu Grunde legen“; diese Bedeutung lässt sich nur im entferntesten Sinne ins Lateinische übertragen, weil es dort das Verb <i>subsidere</i> gibt („sich niedersetzen, zurückbleiben, sitzen bleiben“). Insofern bildet <i>Subsistenz</i> eine Einheit mit den Wörtern <a href="Existenz" title="Existenz">Existenz</a>, <a href="Konsistenz" class="mw-disambig" title="Konsistenz">Konsistenz</a> oder <a href="Resistenz" title="Resistenz">Resistenz</a> und könnte <a href="Transitivit%C3%A4t_(Grammatik)" title="Transitivität (Grammatik)">transitiv</a> höchstens im Sinne von „widerstehen, widersetzen“ („Untersteh dich!“) gebraucht werden. Diese Bezeichnung wird bereits vom antiken griechischen Geschichtsschreiber <a href="Herodot" title="Herodot">Herodot</a> um 450 v. Chr. benutzt; nicht sicher ist, ob ihn auch der Philosoph <a href="Aristoteles" title="Aristoteles">Aristoteles</a> um 350 v. Chr. im erläuterten Sinn verwendete – wenngleich es auch Sinn ergibt, <i>Subsistenz</i> zusammen mit dem Wort <i><a href="Substanz" title="Substanz">Substanz</a></i> in einem Satz zu gebrauchen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Wirtschaft">Wirtschaft</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Subsistenzstrategie">Subsistenzstrategie</h3></div>
<p>Vor allem in der <a href="Ethnologie" title="Ethnologie">Ethnologie</a> (Völkerkunde), <a href="Anthropologie" title="Anthropologie">Anthropologie</a> (Menschenkunde), <a href="Soziologie" title="Soziologie">Soziologie</a> und <a href="Arch%C3%A4ologie" title="Archäologie">Archäologie</a> sowie allgemein in der <a href="Wirtschaftsgeschichte" title="Wirtschaftsgeschichte">Wirtschaftsgeschichte</a> bezeichnet <i>Subsistenzstrategie, Subsistenztyp</i> oder <i>Subsistenzform</i> übergreifend bestimmte Verhaltensweisen, die auf die Gewährleistung der Versorgung abzielen. In diesem Sinne ist die Art und Weise jeglicher „Strategie zum Lebenserhalt“ gemeint, beispielsweise die <a href="Jagd" title="Jagd">Jagd</a> oder der Anbau von Feldfrüchten; in weiter gefasster Bedeutung auch die moderne Strategie „intensive Agrikultur und Handel“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder die industrielle Produktion. Zur Abgrenzung gegenüber modernen marktorientierten Produktionsweisen wird jedoch häufig die Bezeichnung <i><a href="Traditionelle_Wirtschaftsform" title="Traditionelle Wirtschaftsform">traditionelle Wirtschaftsform</a></i> verwendet, obwohl die Definition dieses Begriffes umfassender ist.<sup id="cite_ref-Hirschberg_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hirschberg-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Anthropologe <a href="James_C._Scott" title="James C. Scott">James C. Scott</a> spricht von einer „Subsistenzethik“ und beschreibt damit die Subsistenzstrategie, die dem „safety-first“-Prinzip folgt und Nahrungsengpässe zu vermeiden versucht. Dazu zählen Risikovermeidung und -streuung, die Bevorzugung direkt konsumierbarer Nahrungsmittel sowie das Abzielen auf stabile und sichere Erträge. Dies wiederum umfasst einerseits technische Aspekte wie bestimmte Saatgüter, Anbautechniken usw. und andererseits bestimmte soziale Arrangements, z. B. bestimmte Formen der Reziprozität, Gemeindeland oder (erzwungene) Freigiebigkeit.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Subsistenzwirtschaft">Subsistenzwirtschaft</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→ </span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Subsistenzwirtschaft" title="Subsistenzwirtschaft">Subsistenzwirtschaft</a></i></div>
<p>Im Zusammenhang mit den <a href="Wirtschaft#Wirtschaftsformen" title="Wirtschaft">Wirtschaftsformen</a> traditioneller Gesellschaften wird der Begriff <i>Subsistenz(land)wirtschaft</i> oder <i>Bedarfswirtschaft</i> verwendet, bei der die wirtschaftliche Produktion in erster Linie der Selbstversorgung dient und auf die Deckung des Eigenbedarfs ausgerichtet ist. Derzeit ermöglicht die <a href="Arbeit_(Philosophie)#Status_quo_der_Vita_activa" title="Arbeit (Philosophie)">Arbeit</a> in der Subsistenzwirtschaft mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung ein weitgehend unabhängiges und selbstbestimmtes Auskommen.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Andererseits sind bis zu 1,2 Milliarden der in Subsistenz lebenden Kleinbauern akut von Hunger und Armut betroffen und nicht für alle ist die Subsistenzwirtschaft eine zukunftssichere Alternative.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Subsistenzarbeit">Subsistenzarbeit</h3></div>
<p>Nach Dahm bildet die Grundlage der Subsistenz die Subsistenzarbeit. Als unbezahlte, informelle Arbeit steht diese in einem komplementären Verhältnis zur Erwerbsarbeit. „Subsistenzarbeit konstituiert die Erscheinungen und Ausprägungen des Subsistenzsektors und teilt sich in die zwei Bereiche der individual- und der gemeinschaftsorientierten Subsistenzarbeit. Insbesondere die gemeinschaftsorientierte Subsistenzarbeit, häufig unter dem Begriff der <a href="B%C3%BCrgerarbeit" title="Bürgerarbeit">Bürgerarbeit</a> subsumiert, bildet das Fundament einer zukunftsfähigen <a href="B%C3%BCrgergesellschaft" title="Bürgergesellschaft">Bürgergesellschaft</a>. Ihre Grundlagen findet die Bürgerarbeit in der intrinsischen Motivation des/der Einzelnen und in den Prinzipien von Selbstbestimmtheit und Selbstorganisation, sowie der <a href="Solidarit%C3%A4t" title="Solidarität">Solidarität</a> gegenüber der Gemeinschaft. Über sie wird <a href="Soziales_Kapital" title="Soziales Kapital">soziales Kapital</a> gebildet, Standortqualität und -attraktivität gesichert und erhöht und Lebensqualität in Gemeinschaft gesteigert.“<sup id="cite_ref-:0_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Gemäß der Definition von Dahm umfasst Subsistenzarbeit „die haushalts-, familien- und individualorientierten Tätigkeiten ebenso wie die bürgerschaftlich getragenen, solidarisch-kooperativen, gemeinschaftsorientierten Tätigkeiten.“<sup id="cite_ref-:0_8-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> „Über <i>Subsistenzarbeit</i> […] werden große Anteile der Reproduktion und Regeneration natürlicher wie humaner Ressourcen sowie der sozialen und kulturellen Grundlagen für Innovationsleistungen menschlicher Gemeinschaften erbracht.“<sup id="cite_ref-:0_8-2" class="reference"><a href="#cite_note-:0-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Dahm stellt die Subsistenzarbeit gleichberechtigt neben die Erwerbsarbeit und stellt zudem fest, dass die <a href="Erwerbswirtschaft" title="Erwerbswirtschaft">Erwerbswirtschaft</a> auf die Leistungen der Subsistenz grundlegend angewiesen ist. „Bürgerschaftliche, gemeinschaftsorientierte Subsistenzarbeit steht komplementär zur lohnorientierten <a href="Erwerbsarbeit" class="mw-redirect" title="Erwerbsarbeit">Erwerbsarbeit</a>, ergänzt und erweitert diese um den Bereich eigenmotivierter selbstbestimmter und bedarfsorientierter Leistungen vor allem im sozialen und kulturellen Sektor.“<sup id="cite_ref-:0_8-3" class="reference"><a href="#cite_note-:0-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Subsistenzniveau_und_Subsistenzgut">Subsistenzniveau und Subsistenzgut</h3></div>
<p>Im klassischen Wachstumsmodell nach Smith und Malthus bezeichnet das Subsistenzniveau den Lohnsatz, auf den langfristig die Entlohnung nach einer Produktivitätssteigerung wieder zurücksinkt.
</p><p>In der <a href="Mikro%C3%B6konomie" title="Mikroökonomie">Mikroökonomie</a> werden Subsistenzgüter durch <a href="Quasilineare_Nutzenfunktion" title="Quasilineare Nutzenfunktion">quasilineare Nutzenfunktionen</a> beschrieben. Auf das Subsistenzgut wirken dabei keine <a href="Einkommenseffekt" title="Einkommenseffekt">Einkommenseffekte</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Subsistenzlohn">Subsistenzlohn</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→ </span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Subsistenzlohn" class="mw-redirect" title="Subsistenzlohn">Subsistenzlohn</a></i></div>
<p>Subsistenzlohn ist derjenige <a href="Arbeitsentgelt" title="Arbeitsentgelt">Lohn</a>, den die <a href="Arbeiter" title="Arbeiter">Arbeiter</a> zur Finanzierung der <a href="Selbsterhaltung" title="Selbsterhaltung">Selbsterhaltung</a> benötigen<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (<a href="Nahrung" title="Nahrung">Nahrung</a>, <a href="Kleidung" title="Kleidung">Kleidung</a>, <a href="Wohnung" title="Wohnung">Wohnung</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Urbane_Subsistenz">Urbane Subsistenz</h3></div>
<p>Der Begriff der <i>Urbanen Subsistenz</i> wurde von <a href="Daniel_Dahm" title="Daniel Dahm">Daniel Dahm</a> ab 1999 in den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, Dahm leitete zur Thematik verschiedene Forschungsstudien am <a href="Wuppertal_Institut_f%C3%BCr_Klima%2C_Umwelt%2C_Energie" title="Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie">Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie</a> sowie an der <a href="Universit%C3%A4t_Hohenheim" title="Universität Hohenheim">Universität Hohenheim</a> insbesondere in seiner engen Zusammenarbeit mit dem Nationalökonomen <a href="Gerhard_Scherhorn" title="Gerhard Scherhorn">Gerhard Scherhorn</a>.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bezug nehmend auf die agrare und materielle Selbstversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, erweiterte Dahm den Begriff auf das Spektrum von Dienstleistungen, die aus Subsistenzarbeit für gemeinschafts- oder individualorientierte Zwecke unbezahlt und weitgehend informell erbracht werden.
</p><p>Dahm erweiterte die analytischen Zugänge aus der bislang <a href="Feministisch" class="mw-redirect" title="Feministisch">feministisch</a> geprägten modernen Subsistenztheorie, in dem er feststellte, dass die „<i>gemeinschaftsorientierte Subsistenz […]</i> unverzichtbare Beiträge zur Wohlfahrtsproduktion, zum Aufbau und zur Vitalität der <i>Bürgergesellschaft</i> leistet und […] der zentrale Produktionsbereich für <i>soziales Kapital</i> ist. […] Die gemeinschaftsorientierte Subsistenzarbeit [leistet] den Aufbau und die Etablierung <i>bürgerschaftlicher Einrichtungen</i>, [was] ihre besondere Bedeutung für die Funktions- und Anpassungsfähigkeit der Stadt dargestellt.“
</p><p>Laut Dahm sind „insbesondere Städte […] durch die Aktivität des bürgerschaftlichen, gemeinschaftsorientierten Subsistenzsektors […] geprägt. Gemeinschaftsorientierte Subsistenz fördert die soziale und kulturelle Funktionsfähigkeit und -vielfalt der Stadt und trägt damit wesentlich zur Lebensqualität bei.“
</p><p>„So entfaltet sich bürgerschaftliches Engagement in gemeinschaftsorientierter Subsistenz, bildet dort produktive Einheiten – z. B. bürgerschaftliche Einrichtungen – aus und speist soziales Kapital, soziale und kulturelle Dienstleistungen in die (städtische) Zivilgesellschaft ein.“
</p><p>Dahm zeigt erstmalig auf, „wie über urbane Subsistenz der sozioökonomische Nährboden gebildet wird, der für eine sozial und kulturell vitale Bürgergesellschaft und ihre Standort stärkenden Wirkungen die strukturellen Voraussetzungen und institutionellen Rahmenbedingungen bereit stellt.“ Darüber hinausgehend stellt er dar, „wie urbane Subsistenz ihre soziale und kulturelle ‚Fruchtbarkeit’ durch die eigenmotivierten, solidarischen und kooperativen Beiträge aus gemeinschaftsorientierter Bürgerarbeit – bürgerschaftlicher Subsistenzarbeit erhält. Deren Grundlage bildet wiederum das <a href="B%C3%BCrgerschaftliches_Engagement" title="Bürgerschaftliches Engagement">Bürgerschaftliches Engagement</a>. Urbane Subsistenz nährt sich aus gemeinschaftsorientierter eigenmotivierter Bürgerarbeit und kann so als ‚Mutterboden’ die Grundlage für eine kooperative und partizipative Bürgergesellschaft schaffen.“<sup id="cite_ref-:0_8-4" class="reference"><a href="#cite_note-:0-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> „[Urbane Subsistenz] stärkt die städtische Selbstversorgung lokal, kommunal und regional demokratische Teilhabe und Integrationsprozesse. Außerdem trägt sie wesentlich zum immateriellen Wohlstand – unter anderem durch die Produktion sozialer und kultureller Dienstleistungen – bei, fördert Kreativität, Selbstorganisation und Innovationskraft. Auf diese Weise schafft urbane Subsistenz die soziokulturellen Grundlagen, auf denen Lebensqualität und Standortqualität wachsen und gedeihen können.“ Weiterhin stellt Dahm fest, dass „urbane Subsistenz (nicht nur) für die Städte unersetzbar, ist und nur innerhalb kooperativ, kommunikativ und eigenmotiviert dynamisierten Strukturen funktioniert. Sie folgt nicht der Logik des Wettbewerbs und der Konkurrenz, sondern der Kooperation und der Solidarität, nicht dem Produktivitätsmaßstab von maximaler Quantität bei minimalem Input, sondern von maximaler Qualität bei optimalem Input.“<sup id="cite_ref-:0_8-5" class="reference"><a href="#cite_note-:0-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Philosophie">Philosophie</h2></div>
<p>Philosophisch bedeutet <i>Subsistenz</i> das „Bestehen durch sich selbst und für sich selbst“.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese grundlegende Eigenschaft kommt in der <a href="Aristoteles" title="Aristoteles">aristotelischen</a> und der <a href="Scholastik" title="Scholastik">scholastischen</a> Philosophie der <i><a href="Substanz" title="Substanz">Substanz</a></i> zu, genau genommen: nur der geistigen Substanz, im Unterschied zu den <i><a href="Akzidens_(Philosophie)" title="Akzidens (Philosophie)">Akzidentien</a></i> (sich Veränderndes), die nur durch einen Träger bestehen und ihm innewohnen. Die Bezeichnung <i>Subsistenz</i> wurde vom römischen Gelehrten <a href="Gaius_Marius_Victorinus" title="Gaius Marius Victorinus">Gaius Marius Victorinus</a> um 330 n. Chr. geprägt, der den griechischen Ausdruck <i><a href="Hypostase" title="Hypostase">hypóstasis</a></i> („Grundlage“) aufgreift.
</p><p>Der deutsche Philosoph <a href="Immanuel_Kant" title="Immanuel Kant">Immanuel Kant</a> <a href="Definition" title="Definition">definiert</a> „Subsistenz“ 1783 in seiner Schrift <i><a href="Prolegomena_zu_einer_jeden_k%C3%BCnftigen_Metaphysik%2C_die_als_Wissenschaft_wird_auftreten_k%C3%B6nnen" title="Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können">Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können</a></i>: „[…] d.i. der Notwendigkeit, […] dass dem Dasein der Dinge ein <a href="Subjekt_(Philosophie)" title="Subjekt (Philosophie)">Subjekt</a> zugrunde liege, das selbst kein <a href="Pr%C3%A4dikation" title="Prädikation">Prädikat</a> von irgendeinem anderen Dinge sein könne.“<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In klassischer <a href="Ontologie" title="Ontologie">ontologischer</a> Perspektive wird der Grund für die Wahrheit einer einstelligen <a href="Pr%C3%A4dikation" title="Prädikation">Zuschreibung</a> (Beispiel: „dieser Tisch ist braun“) darin gesehen, dass die Eigenschaft (braun) dem bezeichneten Objekt (dieser Tisch) innewohnt.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der jüngeren Zeit wurde der Begriff z. B. in den Arbeiten von James C. Scott (1976, The Moral Economy of the Peasant) unter dem Schlagwort „Subsistenzethik“ aufgegriffen; in den rechtsphilosophischen Arbeiten von Henry Shue (1996, Basic Rights) taucht der Begriff als „Subsistenzrecht“ (right to subsistence) auf und beschreibt ein menschliches Grundrecht.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In beiden Fällen wird „Subsistenz“ im Sinne einer Grundsicherung verstanden, die aber nicht auf die rein physischen Grundbedürfnisse beschränkt bleibt, sondern die Teilnahme und Teilhabe an einer Gesellschaft beinhaltet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Veronika_Bennholdt-Thomsen" title="Veronika Bennholdt-Thomsen">Veronika Bennholdt-Thomsen</a>: <i>Subsistenzwirtschaft, Globalwirtschaft, Regionalwirtschaft.</i> In: Maren A. Jochimsen, Ulrike Knobloch (Hrsg.): <i>Lebensweltökonomie in Zeiten wirtschaftlicher Globalisierung.</i> Kleine, Bielefeld 2006, S. 65–88.</li>
<li>Susanna Gartler: <i>Subsistenz: Eine Anthropologische Begriffsanalyse.</i> Diplomarbeit Universität Wien 2011. Akademikerverlag, Saarbrücken 2014, ISBN 978-3-639-48890-6 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://othes.univie.ac.at/16923/1/2011-11-08_9910832.pdf">PDF: 2,4 MB, 103 Seiten auf univie.ac.at</a>).</li>
<li><a href="Daniel_Dahm" title="Daniel Dahm">Daniel Dahm</a>: <i>Zukunftsfähige Lebensstile: Städtische Subsistenz für mehr Lebensqualität.</i> Doktorarbeit, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln, Köln 2003. (<a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://kups.ub.uni-koeln.de/1091/">[1]</a>).</li>
<li>Daniel Dahm, <a href="Gerhard_Scherhorn" title="Gerhard Scherhorn">Gerhard Scherhorn</a>: <i>Urbane Subsistenz: Die zweite Quelle des Wohlstands.</i> 3. Auflage. oekom, München 2016, ISBN 978-3-86581-109-7.</li>
<li><a href="James_C._Scott" title="James C. Scott">James C. Scott</a>: <i>The Moral Economy of the Peasant: Rebellion and Subsistence in Southeast Asia.</i> Yale University Press, 1976, ISBN 978-0-300-02190-5.</li>
<li>Henry Shue: <i>Basic Rights: Subsistence, Affluence, and U.S. Foreign Policy.</i> 2. Auflage. Princeton University Press, Princeton NJ 1996, ISBN 978-0-691-02929-0.</li>
<li>Sebastian Thieme: <i>Menschengerechtes Wirtschaften? Subsistenzethische Perspektiven auf die katholische Sozialethik, feministische Ökonomik und Gesellschaftspolitik.</i> Budrich, Opladen u. a. 2017, ISBN 978-3-8474-2077-4.</li>
<li>Sebastian Thieme: <i>Das Subsistenzrecht: Begriff, ökonomische Traditionen und Konsequenzen.</i> Doktorarbeit. Metropolis, Marburg 2012, ISBN 978-3-89518-910-4.</li>
<li>Sebastian Thieme: <i>Subsistenz, Viabilität und Sozialstaat: Grundzüge einer Subsistenzethik.</i> In: <i>Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik (zfwu).</i> Jahrgang 15, Heft 2, 2014 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/1439-880X-2014-2-263.pdf">PDF: 170 kB, 16 Seiten auf nomos-elibrary.de</a>).</li>
<li><a href="Claudia_von_Werlhof" title="Claudia von Werlhof">Claudia von Werlhof</a>, <a href="Veronika_Bennholdt-Thomsen" title="Veronika Bennholdt-Thomsen">Veronika Bennholdt-Thomsen</a>, Nicholas Faraclas (Hrsg.): <i>Subsistenz und Widerstand: Alternativen zur Globalisierung.</i> Promedia, Wien 2003, ISBN 978-3-85371-205-4.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Subsistenz" class="extiw external" title="wikt:Subsistenz">Wiktionary: Subsistenz</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap mw-references-columns"><ol class="references">
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Normdaten (Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/1023331896">1023331896</a></span> </div>
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